Iggelheim lag in der Kurpfalz
Sibein wurde 1750 in Iggelheim geboren. Dieses Dorf gehörte damals zur Kurpfalz und nicht zu Altbayern.
Pfalz · Bayern · Tirol · Russlandfeldzug 1812
Historische Quellen verwenden unterschiedliche Schreibweisen. Diese Seite nutzt Sibein als Hauptschreibweise; die Variante Siebein erscheint dort, wo sie als Quellenform, Titel oder Bestandteil eines Zitats belegt ist.
Ein Pfälzer Offizier in bayerischen Diensten: geboren in Iggelheim, geprägt von der Kurpfalz, aufgestiegen in der pfalz-bayerischen und bayerischen Armee, eingesetzt auf dem Schweizer Kriegsschauplatz, in Ingolstadt, Tirol, Schlesien und schließlich bei Polozk.
Herkunft und Aufstieg
Der Zusammenhang liegt in der politischen Verbindung von Kurpfalz und Bayern ab 1777. Sibein trat zunächst in die kurpfälzische Armee ein. Als die Linien unter Kurfürst Karl Theodor verbunden wurden, wurde aus seiner Laufbahn schrittweise eine pfalz-bayerische und später bayerische Militärkarriere. Der Schweizer Feldzug von 1799 zeigt ihn bereits als Kommandeur eines eigenen Bataillons auf Koalitionsseite gegen Frankreich.
Einfache Einordnung
Die Grundfrage ist einfach: Justus Ritter von Sibein stammte aus der Pfalz, wurde aber später bayerischer General. Der Zusammenhang liegt nicht in einem Umzug nach Altbayern, sondern in der politischen Verbindung von Kurpfalz und Bayern unter Kurfürst Karl Theodor.
Sibein wurde 1750 in Iggelheim geboren. Dieses Dorf gehörte damals zur Kurpfalz und nicht zu Altbayern.
Mit dem Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher fiel Bayern an Kurfürst Karl Theodor aus der pfälzischen Linie.
Dadurch entstanden ein gemeinsamer Herrscher und ein pfalz-bayerischer Zusammenhang. Für Offiziere wie Sibein änderte sich damit der politische Rahmen ihrer Laufbahn.
Deshalb erscheint Sibein später als bayerischer Generalmajor, obwohl seine Herkunft klar in der Pfalz lag.
Diese Grafik ist bewusst schematisch. Sie soll nicht jede historische Grenze zeigen, sondern den politischen Zusammenhang zwischen Pfalz und Bayern knapp und verständlich erklären.
Herkunft
Justus Heinrich Sibein wurde im Juli 1750 in Iggelheim geboren. Sein Vater Johann Nikolaus Sibein war reformierter Pfarrer, die Mutter Anna Maria stammte aus Haßloch. Der genaue Geburtstag ist nicht sicher überliefert, weil das Kirchenbuch durch Kriegsunruhen beschädigt beziehungsweise schlecht lesbar wurde. Ein genealogisches Blatt von 1912 verweist ausdrücklich auf eine Auskunft des Königlich Bayerischen Kriegsarchivs und auf eine Abschrift des Iggelheimer Taufprotokolls.
Diese Herkunft ist wichtig: Sibein war kein altbayerischer Offizier aus München oder Oberbayern, sondern ein Pfälzer. Erst durch die Verbindung von Kurpfalz und Bayern wird seine spätere bayerische Stellung verständlich.
Militärische Laufbahn
Schweizer Feldzug 1799
Justus Ritter von Sibein war 1799 nicht nur in Bayern oder der Pfalz tätig, sondern mit dem nach ihm benannten Bataillon Sibein auf dem Schweizer Kriegsschauplatz eingesetzt. Er stand dort nicht in einer schweizerischen Armee, sondern führte einen pfalz-bayerischen Verband auf Seiten der anti-französischen Koalition.
Die Schweiz war damals kein ruhiger neutraler Raum. Frankreich hatte 1798 die alte Eidgenossenschaft umgestürzt und die Helvetische Republik geschaffen. Im Zweiten Koalitionskrieg wurde die Schweiz deshalb zum Durchgangs-, Rückzugs- und Kampfgebiet. Für die Gegner Frankreichs ging es darum, die französische Vorherrschaft zurückzudrängen.
Aus mehreren Kompanien entstand 1799 ein eigener Verband, der zunächst als kombiniertes Bataillon und später als Bataillon Sibein bezeichnet wurde. Dieses Bataillon gehörte zu einem pfalz-bayerischen Kontingent, das der russischen Armee unter General Korsakow zugeordnet war.
Der Einsatz in der Schweiz zeigt Sibein bereits vor seiner späteren Generalmajorslaufbahn in einer verantwortlichen Stellung. Mit dem Bataillon Sibein führte er einen eigenen Verband auf einem europäischen Kriegsschauplatz, in dem Frankreich, Russland, Österreich und verbündete deutsche Kontingente aufeinandertrafen.
Die Regimentsgeschichte des späteren 9. Bayerischen Infanterie-Regiments nennt den Schweizer Feldzug 1799 und führt das Bataillon Sibein im Zusammenhang mit Kämpfen im Raum Büsingen beziehungsweise Kloster Paradies auf. Die Darstellung bleibt deshalb beim weiter gefassten Raum Büsingen / Kloster Paradies.
Ingolstadt an der Donau
1805 führte Sibein die 6. Bayerische Brigade. Seine Truppen standen zunächst bei Ingolstadt, operierten vom 14. bis 17. Oktober gegen den österreichischen General Franz Freiherr von Werneck und verblieben danach an der Ilm, um den Rücken der französischen Armee zu decken.
Von dort wurde Sibein in Eilmärschen nach Tirol geschickt, um das bayerische Korps unter General Wrede zu verstärken.
Tirol 1805–1810
Die Innsbrucker Chronik macht Sibeins Rolle besonders anschaulich: Am 29. November 1805 rückten die ersten königlich bayerischen Truppen unter General Sibein in Innsbruck ein. Am 10. Dezember bezogen die Generale Sibein und Minucci die von den Franzosen geräumten Quartiere in der Hofburg. Am 6. Januar 1806 gab General von Sibein in der Hofburg eine große Tafel zur Feier der Erhebung Bayerns zum Königreich.
Im Tiroler Krieg von 1809 erscheint Sibein mehrfach. Darstellungen zum Bergisel nennen ihn bei Wilten beziehungsweise als Führer eines Hauptstoßes gegen den Bergisel. Das zeigt ihn nicht als bloße Randfigur, sondern als bayerischen Kommandeur in einem der heikelsten Räume des napoleonischen Bayern.
Sauzey nennt Sibein auch im Zusammenhang mit der Lage nach der Niederschlagung des Tiroler Aufstands: Drouet d’Erlon übergab ihm das Kommando, während Bayern die Besatzung in Tirol und Vorarlberg verringerte. Sauzeys Darstellung zeigt, dass Sibeins Verbindung zu Tirol nicht nur aus einer einzelnen Episode bestand, sondern auch nach der Niederschlagung des Aufstands in die bayerische Militärverwaltung hineinreichte.
Schlesien 1806/07
In Sauzeys Darstellung des Feldzugs von 1806/07 tritt Sibein auch in Schlesien auf. Bei Wartha wurde er von preußischen Kräften angegriffen, konnte diese aber zurückwerfen. Beim Angriff auf die Stellung vor Glatz spielte Sibein mit bayerischer Infanterie, Dragonern und leichter Kavallerie eine Rolle gegen die rechte Seite der feindlichen Stellung.
Diese Episoden ergänzen das Bild: Sibein war nicht nur Tirol-Kommandeur, sondern ein aktiver Brigadeführer in mehreren napoleonischen Feldzügen.
Bergisel 1809
In Darstellungen der Bergisel-Kämpfe wird General Sibein mit einem bayerischen Hauptstoß gegen den Bergisel verbunden. Dabei wird beschrieben, wie seine Truppen mit Bajonetten und unter Geschützfeuer aus den Wiltener Feldern bis nahe an den Rand des Plateaus kamen, bevor der Angriff wieder zurückgeworfen wurde.
Historisch sinnvoll ist daher eine zurückhaltende Einordnung: Sibein führte einen wichtigen bayerischen Angriff, war aber nicht der alleinige Entscheider des Tiroler Kriegs.
Russlandfeldzug 1812
1812 zog Sibein mit den bayerischen Truppen in den Russlandfeldzug. Die Bayern kamen stark geschwächt in Polozk an. In den Kämpfen wurde Sibein am 22. August bei Beloye beziehungsweise im Raum Polozk verwundet. Mehrere Quellen nennen als Todestag den 24. August 1812.
Der Tod Sibeins steht neben dem Tod des greisen Generals Deroy für die bayerischen Verluste dieses Feldzugs. Polozk wurde damit zu einem Erinnerungsort bayerischer Militärgeschichte, auch wenn die konkrete Grabstätte später verschwand.
München · Karolinenplatz
Der Obelisk auf dem Karolinenplatz wurde 1833 auf Veranlassung König Ludwigs I. errichtet. Er erinnert an die 30.000 bayerischen Soldaten, die im napoleonischen Russlandfeldzug 1812 den Tod fanden. Die Inschrift „Auch sie starben für des Vaterlandes Befreyung“ ist historisch doppeldeutig, weil Bayern 1812 noch an Napoleons Seite stand und erst 1813 gegen Frankreich wechselte.
Zur Enthüllung dichtete Sebastian Franz von Daxenberger eine Ode. In ihr wird Siebein namentlich mit Polozk und Deroy verbunden:
„Hier ruhen Polozk’s umgestürzte Mauern, auf ihren blutbegoss’nen Waffentaten,… Ach jene Klosterglocke die das Zeichen zum Donner der Geschütze gab, mußt euer Herz mit jenem Klang erreichen, der läutet zu dem Grab. Mußt euer Aug’ mit heißem Zähren, erfüllen und zu jenen Wunden kehren, die Siebein’s und des greisen Deroy’s Sarg, dem glühenden weit off’nen Blick verbarg.“
Spuren
In Germersheim erinnert die Siebeinstraße an ihn; dort lag im Bereich der früheren Festung auch ein nach ihm benanntes Vorwerk. In Iggelheim blieb die Herkunft über die Familie, das Pfarrhaus-Umfeld und die Grabplatten der Eltern greifbar.
In Polozk blieb die Erinnerung schwieriger. Die frühere Kapelle mit dem Grab bayerischer Generale verschwand. Die Überlieferung zur „Roten Brücke“ und die bayerische Erinnerung an die Gefallenen verbinden den Ort dennoch weiter mit der Katastrophe des Russlandfeldzugs.
Bilder




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Quellen und weiterführende Links